Vorwort des Vorstandsvorsitzenden
Im ersten Halbjahr 2011 konnte die BAWAG P.S.K. den positiven Trend aus dem Vorjahr weiter fortsetzen. Das erzielte Betriebsergebnis liegt sowohl über dem geplanten Ergebnis als auch über dem Ergebnis des Vorjahres. Die umfassenden Investitionsprogramme der BAWAG P.S.K. wurden planmäßig und innerhalb des vorgegebenen Budgetrahmens durchgeführt. Dieses inkludiert Investitionen zum Aufbau einer nachhaltigen Profitabilität in allen Geschäftsbereichen, die Fortsetzung unserer Investitionen in das Produktivitäts- und Effizienzverbesserungsprogramm sowie Investitionen, die durch neue regulatorische Vorschriften erforderlich werden.
Das gute Ergebnis der BAWAG P.S.K. konnte trotz des weiterhin schwierigen makroökonomischen Umfeldes und des verstärkten Wettbewerbes am österreichischen Bankenmarkt erreicht werden. Insbesondere aufgrund der anhaltenden und sich ausweitenden Staatsschuldenkrise bestanden zahlreiche Unsicherheiten und Volatilitäten im Marktumfeld. Das Obligo der Bank gegenüber europäischen Hochdefizit-Ländern ist aufgrund von Vorsichtsmaßnahmen, die die Bank in den vergangenen Jahren getroffen hat, relativ gering. Dennoch wuchs die österreichische Wirtschaft stark, vor allem dank der Erholung der Handelsexporte. Der Wettbewerb am österreichischen Bankenmarkt hat sich weiter intensiviert, was wiederum zu geringeren Margen geführt hat. Das Investitionsvolumen in Österreich liegt weiterhin auf äußerst niedrigem Niveau.
Investitionsprogramme zur Unterstützung des Wachstums
Wie bereits im Vorjahr angekündigt, stellt 2011 ein Jahr der Investitionen für die BAWAG P.S.K. dar, mit dem mittelfristigen Ziel, nachhaltiges Wachstum zu unterstützen. Diese Investitionen unterstützen alle Geschäftsfelder der Bank und umfassen Investitionen in Mitarbeiter, Prozesse, IT Systeme, neue Produkte, verbesserte Servicequalität und einen erhöhten Wiedererkennungswert unserer Marke durch intensivierte Werbemaßnahmen.
Der Fokus des Segmentes “Privat- und Geschäftskunden” lag auf der Umsetzung der „Filialoffensive“ und der Erweiterung unseres Filialnetzwerkes. Bis Ende Juli 2011 konnten über 130 Filialen nach dem neuen Modell eröffnet oder umgebaut werden, welche eine umfassende Palette an Bankdienstleistungen anbieten. Das neue und einzigartige Filialkonzept wurde von den Kunden der BAWAG P.S.K. sehr gut aufgenommen.
Parallel dazu haben wir sowohl in der BAWAG P.S.K. als auch in unserer Tochterbank easybank unsere E-Banking Systeme wesentlich verbessert. Die neue Kontobox der BAWAG P.S.K., mit welcher wir unseren Privatkunden durch die Kombination eines Gehalts- oder Pensionskontos mit einem attraktiv verzinsten Anlagekonto ein gänzlich neues Produktkonzept anbieten, wurde entwickelt und erfolgreich eingeführt.
Im Bereich “Firmenkunden und Financial Markets” haben wir unser “Business Solution Partner” Konzept erfolgreich eingeführt. Durch dieses neue Konzept kombinieren wir die Stärken aus den Feldern Corporates und Financial Markets und können unseren Kunden ganzheitliche Lösungen anbieten. Das Konzept wurde von unseren Kunden sehr gut aufgenommen, auch aufgrund der derzeitig starken Marktvolatilität. Ein weiterer Fokus lag auf der Verbesserung unserer Produktpalette, zum Beispiel durch Investitionen in unser neues Cash Management System, welches bereits erfolgreich implementiert wurde, sowie durch den Ausbau unserer Projektfinanzierungen.
Der Geschäftsbereich “Internationales Geschäft” (welcher die Gruppen “International Corporates” und “International Commercial Real Estate” umfasst) wächst weiterhin und zeigt eine gute Performance. Die Investitionen in diesem Bereich konzentrierten sich auf den Ausbau des Geschäftes sowie auf den weiteren Ausbau der Kompetenzen und der Marktkenntnisse.
Die BAWAG P.S.K. hat auch ihre Investitionen in die Verbesserung der Produktivität und die Effizienz der Prozesse fortgesetzt, wodurch unsere Bearbeitungsdauer („time-to-market“) und unser Kundenservice deutlich verbessert werden konnten.
Im Berichtszeitraum konnten auch zahlreiche Projekte und Investitionen, die sich aus der Änderung gesetzlicher Vorschriften ergaben, abgeschlossen werden. Dies beinhaltet die Vorbereitung unserer Systeme auf die Einführung der Kursgewinnsteuer sowie auf die Finalisierung des SEPA-Projektes.
Außerdem hat die Bank in den ersten sechs Monaten ihre neue, starke Marke “BAWAG P.S.K.” eingeführt und kann so künftig die Stärken der BAWAG und der PSK Bank kombinieren. Die Marke BAWAG P.S.K. wurde mit Ausrichtung auf unsere Philosophie, das „Intuitive Banking“ neu positioniert. Im Berichtszeitraum wurde unsere neue Werbekampagne „Mitten im Leben“ für Privatkunden gestartet, die das neue „intuitive“ Image der Bank unterstreichen. Eine ähnliche Werbekampage („Mitten im Business“) für unsere Firmenkunden, Financial Markets Kunden und Geschäftskunden ist für das zweite Halbjahr geplant.
Nachhaltig verbesserte operative Performance
Unsere weitere Fokussierung auf die Bedürfnisse unserer Kunden hat in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres gute, nachhaltige Ergebnisse gebracht, die über den geplanten Zahlen lagen.
- Unsere Basiserträge von EUR 411,8 Mio (dies umfasst den Nettozinsertrag von EUR 322,4 Mio und das Provisionsergebnis von EUR 89,4 Mio) konnten im Vergleich zum ersten Halbjahr 2010 (EUR 393,7 Mio) um 5% erhöht werden. Dieses Wachstum konnte trotz des intensivierten Wettbewerbs um Volumen bei niedrigeren Margen erreicht werden. Die operativen Erträge für das erste Halbjahr 2011 lagen bei EUR 479,5 Mio.
- Das straffe Kostenmanagement der Bank zeigt weiterhin zufriedenstellende Ergebnisse. Trotz der wesentlichen Investitionen im ersten Halbjahr 2011 lag der operative Aufwand (ohne Bankenabgabe) bei EUR 309,2 Mio, was in etwa dem Wert des ersten Halbjahres des Vorjahres entspricht.
- Die Cost/Income Ratio ist seit Dezember 2010 fast unverändert und beträgt 64,5%.
- Die Rückstellungen und Wertberichtigungen betrugen EUR 78,9 Mio und lagen damit um 28% unter dem Wert des ersten Halbjahres 2010 (EUR 110,3 Mio). Der Rückgang der Einzelwertberichtigungen und Ausfälle im derzeit schwierigen wirtschaftlichen Umfeld spiegelt das weiterhin relativ konservative Risikoprofil des Kreditportfolios der Bank wider.
- Der Gewinn vor Steuern (ohne Bankenabgabe) von EUR 91,6 Mio, welcher im ersten Halbjahr 2011 erzielt werden konnte, ist im Vergleich mit dem Gewinn vor Steuern für das volle Wirtschaftsjahr 2010 von EUR 138,1 Mio durchaus zufriedenstellend.
- Auch der Vergleich des Nettogewinnes des ersten Halbjahres 2011 von EUR 78,5 Mio (inklusive einer Bankenabgabe von EUR 10,2 Mio) mit dem Nettogewinn für das volle Wirtschaftsjahr 2010 von EUR 121,8 Mio (im Jahr 2010 war keine Bankenabgabe fällig) zeigt ein zufriedenstellendes Ergebnis.
Gestärkte Kapital- und Liquiditätsposition
In den ersten sechs Monaten des Jahres 2011 fokussierte sich die Bank auf die weitere Stärkung der Kapital- und Liquiditätsposition, obwohl gleichzeitig wesentliche Investitionen in die Unterstützung des Kerngeschäftes getätigt wurden. Unsere Kapitalposition konnte durch diszipliniertes Kapitalmanagement und die Reduktion der risikogewichteten Aktiva bei gleichzeitiger Verbesserung der Profitabilität gestärkt werden. Die Tier 1 Quote der Gruppe bezogen auf das Kreditrisiko betrug 10,9% und konnte gegenüber 9,0% im Juni 2010 deutlich verbessert werden. Die Tier 1 Quote der Gruppe (bezogen auf das Gesamtrisiko) betrug 9,5%. Auch hier konnte eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres (8,0%) erzielt werden.
Die regulatorische Liquidität zum 30. Juni 2011 von EUR 5,8 Mrd war weiterhin hoch (30. Juni 2010: EUR 4,6 Mrd).
Im Berichtszeitraum hat die BAWAG P.S.K. an den jährlichen Stress Tests der Oesterreichischen Nationalbank teilgenommen. Diese Stress Tests waren denen der Europäischen Bankenaufsicht („EBA“) sehr ähnlich und wurden im selben Zeitraum durchgeführt.
Obwohl die Oesterreichische Nationalbank keine Einzelergebnisse des Stress Tests veröffentlicht, freut es mich, sagen zu können, dass die BAWAG P.S.K. die Stress Tests komfortabel bestanden hat.
Die BAWAG P.S.K. bereitet sich weiterhin gut auf die Einführung von Basel III und der CRD IV / CRR I vor. Es wurden Maßnahmen identifiziert und mit deren Umsetzung begonnen, um alle Voraussetzungen erfüllen zu können. Die BAWAG P.S.K. erfüllt die Basel III Kriterien bereits im Jahr 2011 und ist zuversichtlich, die Kriterien auch zum Zeitpunkt ihrer Einführung im Jahr 2013 zu erfüllen.
Änderungen im Vorstand
Im April 2011 hat Stephan Koren angekündigt, nicht mehr für eine Verlängerung seines Vertrages zur Verfügung zu stehen. Er trat von seinen Funktionen als stellvertretender Generaldirektor, Chief Risk Officer und Vorstandsmitglied der Bank zurück. Ab 1. Mai habe ich die Funktion des Chief Risk Officers übernommen. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um Stephan Koren meinen Dank für alle seine Leistungen um die Bank auszudrücken. Ich schätze seine wertvollen und wesentlichen Beiträge für die Bank über viele Jahre hinweg sehr und möchte ihm alles Gute für die Zukunft wünschen.
Ausblick
In der zweiten Jahreshälfte 2011 erwarten wir, dass die österreichische Volkswirtschaft von den aktuellen Marktturbulenzen und der beschleunigten Inflation beeinflusst sein wird. Dies könnte die Entwicklung der real verfügbaren Haushaltseinkommen dämpfen und zu einer weiteren Verringerung der Sparquote führen. Dennoch gehen die aktuellen Prognosen weiterhin von einem leichten Wachstum der österreichischen Wirtschaft aus.
Das Geschäftsklima und das Konsumentenvertrauen, die in der ersten Jahreshälfte auf einem sehr hohen Niveau waren, wurden von diesen Entwicklungen ebenfalls etwas beeinflusst. Die österreichische Wirtschaft wird weiterhin externen Schocks, wie beispielsweise der anhaltenden Staatsschuldenkrise, ausgesetzt sein.
Die BAWAG P.S.K. wird sich weiterhin auf ihre Geschäftsfelder Privat- und Geschäftskunden und Firmenkunden konzentrieren und wird die Umsetzung ihrer Investitionsprogramme zur Unterstützung des Wachstums des Kundengeschäftes fortsetzen.
Schlussendlich möchte ich die Gelegenheit nutzen, um allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bank für ihren fortwährenden Einsatz und ihr Engagement zu danken, durch die die gute Performance der Bank in den ersten sechs Monaten 2011 überhaupt erst möglich wurde.
Byron Haynes
Vorsitzender des Vorstands und CEO
Wien, August 2011
