Wirtschaftliche Entwicklung

Konjunktur

Die wirtschaftliche Erholung im Euroraum setzte sich im Jahresverlauf 2010 fort: Das reale Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich um 1,7 %, liegt aber dennoch weit unter dem Wert vor der Krise, nachdem im Jahr zuvor ein Rückgang um 4,1 % zu verkraften gewesen war, Der Aufschwung wurde von den Exporten angestoßen, im Frühjahr 2010 verlagerten sich die Antriebskräfte jedoch zunehmend auf die Binnennachfrage. Neben dem Lageraufbau der Unternehmen war vor allem die wieder anspringende Nachfrage nach Ausrüstungsgütern entscheidend. Die Ausgaben der Verbraucher nahmen nur mäßig, wenn auch stetig, zu.

Auf Länderebene war eine sehr unterschiedliche wirtschaftliche Dynamik im Euroraum erkennbar. Während Volkswirtschaften wie beispielsweise Deutschland, Finnland oder die Slowakei merklich expandierten, ging die konjunkturelle Erholung in jenen Ländern, die mit hohen Budgetdefiziten und außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten konfrontiert sind, nur schleppend bzw. gar nicht voran. Die Sparmaßnahmen der öffentlichen Haushalte und die hohe Arbeitslosigkeit in diesen Staaten beeinträchtigen das Geschäftsklima und das Verbrauchervertrauen.

Die Staatsschuldenkrise beherrschte die Medien sowie das Interesse der Investoren, wenngleich die Eurozone, und insbesondere Österreich, ein gemäßigtes Wachstum verzeichnen konnten.

Österreich befindet sich im oberen Drittel des Konjunkturgefälles im Euroraum. Mit einem Wirtschaftswachstum von 2,0 % entwickelte sich Österreich 2010 besser als der Euroraum-Durchschnitt. In der ersten Jahreshälfte profitierte die heimische Wirtschaft von der hohen Exportorientierung der Industrie. Neben der robusten Nachfrage aus Südostasien war vor allem der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland maßgebend. Die starke Dynamik des Welthandels büßte seit der Jahresmitte zwar etwas an Tempo ein, allerdings gewann ein anderes wichtiges Standbein für die solide Konjunktur wieder an Aufwind: die Investitionstätigkeit der Unternehmen. Neben der Umkehr im Lagerhaltungszyklus konnte zuletzt auch die Nachfrage nach Anlageinvestitionen wieder Fuß fassen. Die Bauinvestitionen waren hingegen während des gesamten Jahres rückläufig. Der private Konsum ist im Gegensatz zu den anderen Nachfragekomponenten in der Rezession nicht eingebrochen und erwies sich auch 2010 als wesentliche Stütze der Konjunktur. Die Sparquote verringerte sich demgegenüber zum zweiten Mal in Folge auf nunmehr 10,6 % der verfügbaren Einkommen.

Die heimischen Konsumenten fassten im Berichtsjahr wieder größere Zuversicht: Der Verbrauchervertrauensindex der EU-Kommission überstieg im Frühjahr seinen langfristigen Mittelwert. Neben der Verbesserung der konjunkturellen Aussichten war dafür insbesondere die optimistischere Einschätzung der Beschäftigungsperspektiven ausschlaggebend. Österreich ist eines der ganz wenigen Mitgliedsländer des Euroraumes, die 2010 einen Rückgang der Arbeitslosigkeit verzeichnen konnten. Freilich spielten dabei die verstärkten Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice eine wesentliche Rolle, die Beschäftigung nahm aber ebenfalls zu. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote nach österreichischer Messung sank im Jahresvergleich um einen halben Prozentpunkt auf 6,8 %.

Österreich: Konsumentenvertrauen

Der Finanzierungssaldo der öffentlichen Haushalte verschlechterte sich infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 um drei Prozentpunkte auf –3,5 % des BIP. 2010 erhöhte sich das Budgetdefizit ein weiteres Mal auf nunmehr –4,1 % des BIP. Im internationalen Vergleich ist dieser Wert zwar wenig bedenklich, dennoch überschreitet Österreich damit – wie fast alle anderen Mitgliedsländer des Euroraumes ebenfalls – den Grenzwert des Stabilitäts- und Wachstumspakts.

Die Kreditnachfrage des privaten Sektors entwickelte sich im Berichtsjahr sehr verhalten. Die Unternehmensfinanzierungen erreichten im ersten Quartal 2010 mit einem Rückgang um 1,5 % im Vorjahresvergleich ihre Talsohle, seither verzeichneten die österreichischen Banken nur eine zögerliche Expansion. Die Konsumkredite stagnierten während des gesamten Jahresverlaufs, lediglich die Nachfrage nach Wohnbaufinanzierungen zeigte sich robust (durchschnittlich +2,5 % gegenüber dem Vorjahr).

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Zins- und Wechselkursentwicklung

Der Leitzins der Europäischen Zentralbank blieb im vergangenen Jahr unverändert bei 1 %. Das Instrumentarium der so genannten „unkonventionellen Maßnahmen" zur Liquiditätsversorgung des Bankensektors wurde im Mai um den Ankauf europäischer Staatsanleihen am Sekundärmarkt erweitert. Die EZB reagierte damit auf die Zuspitzung der europäischen Staatsschuldenkrise. Die zunächst für Jänner 2011 angekündigte (jüngst aber auf April verschobene) graduelle Rücknahme der unkonventionellen Maßnahmen bewirkte einen allmählichen Anstieg der Interbankensätze. Der 3-Monats-Euribor erhöhte sich seit seinem Tiefstwert im April um rund 40 Basispunkte auf 1,01 % zum Jahresultimo 2010.

Die positiven Effekte der niedrigen Leitzinsen wurden jedoch teilweise durch die volatile Entwicklung der Risikozuschläge ausgeglichen, was wiederum zu höheren Refinanzierungskosten für Banken führte.

Euroraum: Zinsentwicklung


Der Rentenmarkt zeigte sich hingegen äußerst volatil und uneinheitlich. Einerseits gab die Rendite für deutsche Bundesanleihen, die als Benchmark für den Euroraum gilt, in den ersten acht Monaten des Berichtsjahres deutlich nach und erreichte Ende August ein Allzeittief von 2,11 % für zehnjährige Laufzeiten. Die Renditen für österreichische, französische und andere Bundesanleihen des Euroraumes mit hoher Bonität entwickelten sich analog. Andererseits erhöhten sich die Risikoaufschläge auf griechische, irische und portugiesische Staatsanleihen drastisch. Ab Herbst mussten auch Spanien, Italien und Belgien steigende Spreads in Kauf nehmen. Die Renditen der AAA-gerateten Länder zogen in den letzten Monaten des Jahres wieder an. Die zehnjährige deutsche Bundesanleihe notierte zum Jahresultimo 2010 bei 2,96 %, der Aufschlag für vergleichbare österreichische Staatsanleihen betrug rund 50 Basispunkte.

Risikoaufschläge, in Prozentpunkten


Die Devisenmärkte waren im Jahr 2010 ebenfalls starken Schwankungen unterworfen. Der nominell-effektive Euro-Wechselkursindex, der die Entwicklung gegenüber den Währungen der Haupthandelspartner misst, verlor im Jahresabstand 9 %. Im Verhältnis zu den einzelnen Währungen wertete der Euro am stärksten gegenüber dem japanischen Yen (–18 %) und gegenüber dem Schweizer Franken (–16 %) ab. In Relation zum US-Dollar erreichte der Euro im Juni ein Jahrestief von unter 1,20 USD/EUR, wertete bis Anfang November auf 1,42 USD/EUR auf und gab in den letzten beiden Monaten wieder auf 1,34 USD/EUR nach. Insgesamt war die Entwicklung des Euro gegenüber den anderen Weltwährungen 2010 vorwiegend durch die sich häufig ändernde Marktbewertung der Verschuldungssituation der öffentlichen Haushalte im Euroraum geprägt.

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