VORWORT des
VORSTANDSVORSITZENDEN
Trotz des schwierigen makroökonomischen Umfelds, der Staatsschuldenkrise, der fortwährenden Unsicherheit bezüglich regulatorischer Änderungen und der Einführung eventueller Banksteuern ist es der BAWAG P.S.K. gelungen, diese Rahmenbedingungen erfolgreich zu meistern und ein gutes Halbjahresergebnis zu erzielen.
Schwieriges wirtschaftliches Umfeld
Die Weltwirtschaft hat sich während der ersten Jahreshälfte 2010 zunehmend erholt, bedingt durch den Anstieg der internationalen Nachfrage, die Umkehr im Lagerhaltungszyklus der Unternehmen, umfangreiche Konjunkturstimulierungspakete und eine äußerst expansive Geldpolitik. Allerdings hat auch die Risikoaversion global zugenommen, da sich die Investoren zunehmend besorgt über die Solvabilität hoch defizitärer Länder zeigten, insbesondere einiger Mitglieder des Euroraums. In der Folge haben die Risikoprämien in den letzten Monaten deutlich zugenommen.
Im Mai lancierten die Mitgliedsländer der Eurozone gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds ein Stabilisierungsprogramm in Höhe von 750 Mrd EUR. Die Emissionstätigkeit der Staaten wurde durch Wertpapierankäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) unterstützt. Die Regierungen reagierten zudem mit stärkeren Konsolidierungsbemühungen, die bereits umgesetzt wurden. Die Straffung der Fiskalpolitik könnte den fragilen Aufschwung in einigen EU-Ländern gefährden, sie ist allerdings auch essenziell, um das Vertrauen wiederzugewinnen und die Unsicherheit zu verringern. So lange die hoch defizitären Länder die Investoren nicht davon überzeugen können, dass sie in der Lage sind, diese Konsolidierungsvorhaben erfolgreich umzusetzen, bleibt die hohe Volatilität auf den Finanzmärkten bestehen. Die Abwertung des Euros in den letzten Monaten war ebenfalls das Ergebnis steigender Defizite und Schulden in den Mitgliedsländern des Euroraums. Die Aufmerksamkeit der Märkte wird daher weiterhin darauf gerichtet sein, wie sich die Finanzierungsbedingungen sowohl des öffentlichen Sektors als auch der Banken in der Peripherie der Eurozone entwickeln werden. So lange der Interbankenmarkt inaktiv ist, spiegelt sich das schwierige Umfeld für Banken außerhalb der europäischen Kernzone in einer zunehmenden Abhängigkeit von Refinanzierungsmitteln der EZB wider.
Die Schuldenkrise hat nur einen marginalen direkten Einfluss auf die BAWAG P.S.K., da das Exposure der Bank gegenüber hoch defizitären Ländern (inkl. Griechenland, Irland, Großbritannien, Italien, Portugal und Spanien) weniger als 75 Mio EUR beträgt. Mit einem Überschuss der Kundeneinlagen gegenüber den Kundenforderungen ist die Bank überdies auf die von der EZB zur Verfügung gestellte Liquidität nicht angewiesen.
Deutlich verbessertes Betriebsergebnis der BAWAG P.S.K.
Die BAWAG P.S.K. meisterte im ersten Halbjahr 2010 das schwierige makroökonomische Umfeld erfolgreich. Das Betriebsergebnis der Bank konnte dank der Steigerung der Profitabilität des Kundengeschäftes deutlich verbessert werden, unterstützt durch verschiedene Verkaufsoffensiven, wie etwa „Unternehmen Österreich“ und die „Energiemilliarde“.
Der Überschuss vor Steuern belief sich in der ersten Jahreshälfte 2010 auf 107 Mio EUR gegenüber 66 Mio EUR in der Vergleichsperiode 2009. Dafür waren folgende Faktoren maßgebend:
- Das Betriebsergebnis betrug 533 Mio EUR (+5,2 % gegenüber dem Vorjahr). Davon entfielen auf den Nettozinsertrag 309 Mio EUR (+2,3 %), auf den Provisionsüberschuss 84 Mio EUR (+13,1 %) sowie auf Gewinne aus finanziellen Vermögenswerten 130 Mio EUR (-2,0 %). Der Anstieg des Nettozinsertrages und des Provisionsüberschusses konnte trotz des intensiven Wettbewerbs um Volumina und Margen erzielt werden.
- Die Betriebsaufwendungen beliefen sich auf 310 Mio EUR und waren damit leicht höher als 2009 (+1,2 %). Die Aufwendungen beinhalten Rückstellungen für Restrukturierungen im Zusammenhang mit dem kürzlich gestarteten Effizienz- und Produktivitätssteigerungsprogramm.
- Die Rückstellungen und Wertberichtigungen betrugen 110 Mio EUR gegenüber 126 Mio EUR in 2009 (-12,3 %). Das trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds niedrigere Niveau der Kreditvorsorgen und Ausfälle reflektiert das relativ konservative Risikoprofil des Kreditportfolios der Bank.
In Summe ergibt sich ein Überschuss nach Steuern und Minderheiten in Höhe von 97 Mio EUR. Das entspricht einem Anstieg von 84 Mio EUR gegenüber dem Vorjahresergebnis (13 Mio EUR).
Die Bilanzsumme stieg gegenüber dem Jahresultimo 2009 um 1,6 Mrd EUR auf 42,8 Mrd EUR zum 30. Juni 2010. Dieser Zuwachs spiegelt die Ausweitung unseres Kundengeschäftes wider (Kredite: +1,0 Mrd EUR bzw. +4,7 %). Dank ihrer stabilen Liquiditäts- und Kapitalausstattung ist die Bank in der Lage, ihren Kunden trotz des intensivierten Wettbewerbs attraktive Produkte anzubieten.
Kapital und Liquidität – Auswirkungen regulatorischer Änderungen
In Bezug auf die zukünftigen regulatorischen Rahmenbedingungen und der verstärkten Aktivität der Aufsichtsbehörden herrscht große Unsicherheit im europäischen Bankenmarkt. Das Regelwerk „Basel III“ wurde bisher noch nicht finalisiert, wird in Zukunft aber weitreichende Änderungen für die Bankenwelt mit sich bringen, insbesondere aufgrund höherer Kapital- und Liquiditätsanforderungen für Kreditinstitute. Zudem werden in ganz Europa verschiedene Banksteuermodelle diskutiert. Derzeit liegen noch keine Beschlüsse der EU-Staaten über Details zur Ausgestaltung und Berechnung vor, es ist jedoch abzusehen, dass diese Steuer zukünftige Erträge mindern wird und die Banken eine höhere Kapital- und Liquiditätsausstattung anstreben müssen.
Die österreichischen Banken sind gut auf etwaige zukünftige Wirtschaftskrisen vorbereitet, wie das Ergebnis des im Juni 2010 von der Oesterreichischen Nationalbank veröffentlichten Stresstests zeigt. Es wurden keine Einzelergebnisse bekannt gegeben, die BAWAG P.S.K. hat den Stresstest jedoch erfolgreich bestanden. Das Committee of European Banking Supervisors (CEBS) hat in der ersten Jahreshälfte 2010 ebenfalls einen Stresstest für die 91 größten europäischen Banken durchgeführt. Obwohl die BAWAG P.S.K. nicht dazu zählt und deswegen an diesem Test nicht teilnahm, sind wir überzeugt, dass auch dieser Stresstest die solide Position der Bank untermauern würde. Aufgrund unseres relativ geringen Exposures in Staatsanleihen und in der CEE-Region wären die Auswirkungen einer Krise auf das Kapital der Bank unbedeutend.
Nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr 2010 geht die Bank mit einer starken Kapital- und Liquiditätsausstattung in die zweite Jahreshälfte. Die Zeichnung von Partizipationskapital in Höhe von 550 Mio EUR durch die Republik Österreich im Dezember 2009 wurde im Juni 2010 von der Europäischen Kommission genehmigt. Zusammen mit dem Eigentümerzuschuss von 205 Mio EUR im vergangenen Jahr ergibt sich eine gute Ausgangsposition. Die Kernkapitalquote des Bankkonzerns (Tier I) betrug Ende Juni 8,7 % (30. Juni 2009: 6,3%). Mit einer aufsichtsrechtlichen Liquidität in Höhe von 4,6 Mrd EUR zum 30. Juni 2010 ist auch die Liquiditätsposition gesichert.
Die BAWAG P.S.K. ist bestrebt, ihre Kapital- und Liquiditätsausstattung im Hinblick auf zukünftige regulatorische Änderungen weiter zu stärken.
Bankstrategie: Schwerpunkt Kundenservice, begleitet von Effizienz- und Produktivitätssteigerung
Die Strategie der Bank ist unverändert. Im Massengeschäft des österreichischen Retailmarktes haben wir eine klare Positionierung: Produkte mit gutem Preis-Leistungsverhältnis, die über unsere Vertriebskanäle in Kombination mit einem sehr guten Kundenservice angeboten werden. In den Geschäftssegmenten Kommerz und Finanzmärkte setzen wir unsere Wachstumsstrategie fort, indem wir maßgeschneiderte Kundenprodukte entwickeln und anbieten.
Generell arbeiten wir an der Vereinfachung von Produkten, Prozessen und der Organisation, um mehr auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen zu können. In diesem Zusammenhang wurde in der ersten Jahreshälfte 2010 ein größeres Projekt gestartet, um die Effizienz und die Produktivität durch verbesserte Prozesse und den verstärkten Einsatz von Technologie zu erhöhen. Dadurch werden Ressourcen freigesetzt, die künftig für den Kundenservice zur Vergügung stehen werden.
Außerdem wurde eine neue Aufbauorgansiation mit dem Ziel initiiert, Doppelgleisigkeiten zu vermeiden und Kompetenzen klarer zuzuordnen, um Entscheidungen rascher treffen zu können. Dank der schlankeren Organisation werden die Verwaltungsaufwendungen und somit die Gemeinkosten reduziert. Ein höherer Automationsgrad und die Standardisierung von Produkten werden zur Beschleunigung der Abläufe beitragen.
Dieses Projekt hat bis Ende 2013 eine Kosteneinsparung von 60 Mio EUR zum Ziel, die durch eine Verringerung des Personalstandes um 500 Vollzeitkräfte erreicht werden soll. Außerdem sollen zusätzlich 40 Mio EUR in Technologie investiert werden. Somit wird dieses Projekt einen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung der Profitabilität leisten.
Änderungen im Vorstand
Regina Prehofer wird in der zweiten Jahreshälfte 2010 aus persönlichen Gründen ihre Vorstandsfunktion zurücklegen. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, ihr für ihren Einsatz für die BAWAG P.S.K. während der letzten beiden Jahre zu danken. Durch ihre Mitwirkung konnte das österreichische Kundengeschäft erfolgreich ausgebaut werden.
Gleichzeitig möchte ich zwei neue Mitglieder im Vorstand der BAWAG P.S.K. willkommen heißen: Im Mai 2010 übernahm Christoph Raninger, der zuvor in der UniCredit Group tätig war, die Funktion als Ressortleiter für „Financial Markets“. Er wird in der zweiten Jahreshälfte 2010 auch das österreichische Kommerzgeschäft von Regina Prehofer übernehmen. Im Oktober 2010 wird Andreas Arndt als neuer Chief Financial Officer zur Bank stoßen, der mehr als fünfzehn Jahre Erfahrung im Bankgeschäft vorweisen kann.
Ausblick
Die europäische Bankenlandschaft wird auch in der zweiten Jahreshälfte 2010 mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert sein. Die Kapitalmärkte bleiben volatil, die Refinanzierungskosten der Banken dürften ansteigen und die Kreditnachfrage wird vor dem Hintergrund des noch nicht gefestigten Unternehmer- und Verbrauchervertrauens schwach bleiben. Die Banken werden sich im Hinblick auf die Umsetzung des Basel III-Regelwerks sowie eventuelle Banksteuern weiterhin auf die Stärkung ihrer Kapital- und Liquiditätsausstattung und ihrer regulatorischen Liquiditätsposition konzentrieren.
Die BAWAG P.S.K. ist ebenfalls davon betroffen und erwartet dementsprechende Auswirkungen auf ihre Ertragslage in der zweiten Jahreshälfte. Dennoch bin ich aufgrund unseres guten Ergebnisses des ersten Halbjahres zuversichtlich, dass unsere Bank gut darauf vorbereitet ist, diese schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen erfolgreich zu meistern und für das Gesamtjahr 2010 ebenfalls einen Gewinn erzielen wird.
Durch unser Effizienz- und Produktivitätssteigerungsprogramm werden wir in der Lage sein, eine erfolgreiche Zukunft für die Bank zu sichern, indem wir unseren Kundenservice verbessern sowie die tägliche Arbeit unserer Mitarbeiter erleichtern.
Ich möchte betonen, dass alle bisher erreichten Fortschritte nicht ohne die Bemühungen und den kontinuierlichen Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich gewesen wären. Daher möchte ich diese Gelegenheit nutzen, ihnen für die letzten sechs Monate meinen Dank auszusprechen. Gemeinsam verfolgen wir ein und dasselbe Ziel: die BAWAG P.S.K. zu einer starken österreichischen Bank zu machen, für die man gerne arbeitet und die für unsere Kunden ein hervorragender Partner in allen Bankgeschäften ist.
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Byron Haynes
Vorsitzender des Vorstands und CEO
Wien, August 2010
