VORWORT des
VORSTANDSVORSITZENDEN

Das Jahr 2010Byron Haynes

Das Jahr 2010 war wie erwartet ein schwieriges für die Weltwirtschaft und den österreichischen Markt, wobei es bereits erste Zeichen einer langsamen Erholung gab. Externe Marktfaktoren, wie beispielsweise die anhaltende Staatsschuldenkrise in den hoch defizitären Staaten, haben Banken weltweit beeinflusst. Zudem haben die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise zu erhöhten Liquiditätskosten und höheren Kapitalanforderungen geführt.

Die Aufsichtsbehörden haben im Jahr 2010 ebenfalls auf die Finanzkrise und die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen reagiert und neue, strengere Vorschriften für die Geldwirtschaft eingeführt. Vor diesem Hintergrund wurden die Regelungen zu Basel III vorgestellt, welche in Zukunft auf eine höhere Kapital- und Liquiditätsausstattung bei Banken abzielen. Die Kapitaladäquanzrichtlinie (CRD) III, die Kapitalvorschriften für Handelsbücher und Verbriefungen sowie strukturelle Änderungen in der Vergütungspolitik definiert, wurde ebenfalls umgesetzt. Daneben wird im Jahr 2011 auch die neu eingeführte Bankenstabilitätsabgabe in Österreich das erste Mal eingehoben.

Diese Marktfaktoren und regulatorischen Änderungen werden zukünftig natürlich auch auf die BAWAG P.S.K. Auswirkungen haben. Das Obligo der Bank gegenüber europäischen Hochdefizit-Ländern ist allerdings aufgrund von Vorsichtsmaßnahmen, die die Bank im vergangenen Jahr getroffen hat, relativ gering (53 Mio EUR). Die Liquiditätsposition der BAWAG P.S.K. bleibt trotz gestiegener Kosten und stärkerem Wettbewerb um Spareinlagen gut, da unser Retailnetzwerk unseren Kunden österreichweit Spar- und Giroprodukte anbieten kann. Das Verhältnis der Einlagen zu Krediten für 2010 blieb mit ungefähr 100% weiterhin stark. Auch die Kapitalposition der Bank wurde während des Jahres gestärkt. Die Ausgabe von Partizipationskapital in Höhe von 550 Mio EUR an die Republik Österreich im Dezember 2009 wurde im Juni 2010 von der Europäischen Kommission genehmigt. Durch konsequentes, umsichtiges Management von risikogewichteten Aktiva und dem überlegten Einsatz von Kapital während des Jahres ist die Bank auf die neuen Kapitalvorschriften von Basel III gut vorbereitet. Die BAWAG P.S.K. erfüllt bereits 2010 die Basel III Kriterien und ist zuversichtlich, diese Kriterien auch zum Zeitpunkt ihrer Einführung im Jahr 2013 zu erfüllen.

Im Februar 2011 hat der Vergütungsausschuss des Aufsichtsrates eine geänderte Vergütungsrichtlinie genehmigt, die für alle Mitarbeiter der BAWAG P.S.K. gilt und die den Regelungen der CRD III und des österreichischen Bankwesengesetzes entspricht.

Die Bankenstabilitätsabgabe in Österreich wurde nun beschlossen und festgesetzt und wird im Jahr 2011 das erste Mal von den Erträgen der Bank in Abzug gebracht werden.

Gutes Ergebnis im Jahr 2010

Trotz des weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes und der erhöhten regulatorischen Anforderungen erzielte die BAWAG P.S.K. im Jahr 2010 ein gutes Ergebnis und weist erstmals seit vier Jahren wieder einen Nettogewinn aus.

Der IFRS Gewinn vor Steuern von 138,1 Mio EUR ist deutlich besser als im letzten Jahr (35,1 Mio EUR) und ist Ausdruck der weiterhin erfolgreichen Anstrengungen der Bank, ihre Profitabilität und Effizienz zu verbessern. Die wesentlichen Faktoren hinter dieser signifikanten Erhöhung des Gewinns nach Steuern beinhalten unter anderem Folgendes:

  • Der Nettozinsertrag erhöhte sich im Vergleich zum letzten Jahr um 15,2% auf 649,9 Mio EUR (2009: 564,3 Mio EUR) durch Einsatz unserer freien Liquidität zur Erfüllung der Wünsche unserer Kunden und durch Verbesserung unserer Profitabilität mittels konsistenter risikosensitiver Preisfestsetzung.
  • Der Nettoprovisionsertrag liegt mit 159,4 Mio EUR leicht über dem des Vorjahres (2009: 154,8 Mio EUR), was auf besseres Cross-Selling an unsere Kunden zurückzuführen ist.
  • Gewinne und Verluste aus Finanzinstrumenten von 155,9 Mio EUR waren höher als letztes Jahr (+12,2%). Diese Position beinhaltet realisierte Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren und Beteiligungen. Negative Auswirkungen aus der Bewertung unserer Eigenen Emissionen und Kosten von Sicherungsmaßnahmen wurden in Abzug gebracht.
  • Die Betriebsaufwendungen des Jahres betrugen 618,3 Mio EUR (2009: 608,1 Mio EUR) und waren vor allem durch die Entwicklung des Personalaufwands geprägt (371,7 Mio EUR). Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Betriebsaufwendungen leicht an (+1,7%), was ausschließlich auf aufwandswirksam erfasste Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 25,8 Mio EUR zurückzuführen ist. Die sonstigen Verwaltungsaufwendungen sind um 6 Mio EUR niedriger als im letzten Jahr und betragen 172,8 Mio EUR. Dies spiegelt die ersten positiven Auswirkungen unseres Programms zur Steigerung der Effizienz und Produktivität und das weiterhin straffe Kostenmanagement während des Jahres wider.
  • Rückstellungen und Bewertungsverluste von 199,7 Mio EUR liegen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (2009: 236,7 Mio EUR) und zeigen das weiterhin konservative Risikoprofil unseres Kreditportfolios.
  • Der Nettogewinn nach Steuern und Minderheiten betrug 121,8 Mio EUR (2009: -30,0 Mio EUR).

Alle Geschäftsfelder haben erfolgreich zum deutlich verbesserten Ergebnis der Bank im Jahr 2010 beigetragen.

In der Bilanz ist ein Anstieg des Kreditvolumens um 1.222 Mio EUR (+5,8%) ersichtlich, welcher wesentlich auf das Wachstum unseres Kommerzkundengeschäftes zurückzuführen ist. Sowohl im österreichischen Kommerzgeschäft als auch im Internationalen Geschäft konnte unsere freie Liquidität erfolgreich zur Erzielung risikoadäquater Erträge veranlagt werden.

Unser Leasinggeschäft wuchs weiterhin beim Neugeschäftsvolumen und unser Marktanteil in Österreich konnte folglich von 4,9% im Jahr 2008 auf über 6,8% ausgebaut werden.

Das Geschäftsfeld Financial Markets verzeichnete ein gutes Jahr und steuerte die Bank erfolgreich durch das Jahr 2010, welches durch extreme Marktschwankungen geprägt war. Gleichzeitig konnte neues Kundengeschäft gewonnen werden. Durch die erstmalige Rückkehr an die Kapitalmärkte seit 2004 wurden zusätzliche liquide Mittel von 2,0 Mrd EUR aufgebracht.

Der Fokus des Bereiches Privat- und Firmenkunden lag weiterhin auf der Entwicklung und der Umsetzung der neuen „Filialoffensive", der Verbesserung des Kundenservices und der Einführung neuer Spar- und Wertpapierprodukte sowie auf der kontinuierlichen Sicherung der Einlagenbasis der Bank trotz starkem Wettbewerb.

Unsere Tochterbank easybank konnte 2010 mit über 300.000 Konten und Kundeneinlagen von 1,7 Mrd EUR ein Rekordjahr verzeichnen.

Die BAWAG Invest, die Kapitalanlagegesellschaft der Bank, wuchs weiterhin und erhöhte ihr Fondsvolumen um mehr als 10% auf nunmehr über 4,0 Mrd EUR an verwalteten Vermögenswerten.

Trotz umfangreicher Investitionen und der Unterstützung des Wachstums der Geschäftsfelder konnte die Bank ihre gute Kapital- und Liquiditätsposition im ganzen Jahr 2010 halten.

Bezogen auf das Kreditrisiko betrug die Kernkapitalquote am Jahresende 10,2% und lag damit auf demselben Niveau wie im Jahr 2009 (10,4%), was insbesondere auf das strenge Management unserer risikogewichteten Aktiva zurückzuführen ist. Die freie Liquidität der Bank lag am 31. Dezember 2010 bei komfortablen 5,3 Mrd EUR.

Verbesserter erlebbarer Kundenservice durch höhere Investitionen

Die weitere Verbesserung unseres Kundenservices war immer der klare Fokus der Bank. Im Jahr 2010 wurde eine Reihe von wichtigen Initiativen gestartet, um die angebotenen Leistungen für bestehende und neue Kunden zu erweitern:

  • Die Strategie der Bank umfasst unter anderem die im Jahr 2010 getroffene Entscheidung, die zwei starken Marken der Bank BAWAG und PSK Bank zu einer zu kombinieren: „BAWAG P.S.K.". Dadurch wird das Beste aus diesen beiden Vertriebslinien vereint. Diese Marke wurde im März 2011 offiziell eingeführt und wird ein sichtbarer Teil der neuen Filialoffensive sein, durch die unseren Kunden zukünftig in allen unseren Filialen das volle Spektrum an Bankdienstleistungen angeboten werden kann.
  • Die neue Marke wird durch die intensivierte Kooperation mit der Österreichischen Post AG unterstützt. In der nächsten Zeit werden wir unser Filialnetzwerk von 150 auf 520 Filialen in ganz Österreich ausweiten. Die Implementierung des neuen Filialkonzeptes wird schrittweise in den nächsten zwei Jahren erfolgen. Die Bank plant als Teil dieser Filialoffensive signifikante Investitionen von 100 Mio EUR, was unser fortgesetztes Engagement gegenüber Kunden in ganz Österreich zeigt.
    Durch die Filialoffensive entsteht das größte zentral gesteuerte Banknetzwerk, was für uns eine großartige Gelegenheit darstellt und für unsere Kunden wesentliche Vorteile bringen wird. Die Flächendeckung mit dem vollen Spektrum an Bankdienstleistungen sowie das Angebot von attraktiven Produkten und die Erreichbarkeit der Bank wird zukünftig erhöht, vor allem im ländlichen Gebiet.
  • Im Jahr 2010 nahm ein Kundenservice Center mit ausgedehnten Öffnungszeiten seine Tätigkeit auf. Über dieses können unsere Kunden die Bank per Telefon kontaktieren, um ihren Bankgeschäften nachzukommen und ihre Fragen an uns zu richten.
  • Weiters wurden in der zweiten Jahreshälfte 2010 die Bereiche Österreichisches Kommerzgeschäft und Financial Markets zu einem Vorstandsressort zusammengelegt, um Synergien zu nutzen und das Cross-Selling zum Vorteil unserer Kunden auszubauen. Kommerzkunden werden vom gebündelten Know-how der kombinierten Geschäftbereiche, die nun maßgeschneiderte Lösungen anbieten, profitieren können.
  • Ein weiteres wichtiges Projekt der Bank wurde bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2010 gestartet, um die Effizienz und Produktivität durch vereinfachte Prozesse und verstärkte Technologieinvestitionen zu verbessern. Diese Investitionen sollen dazu beitragen, Kapazitäten freizusetzen, um unsere Kunden besser servicieren zu können. Das klar vorgegebene Ziel des Projektes ist es, unsere Produkte weiter zu standardisieren, unsere Prozesse straffer zu gestalten und die Organisation stärker auf die Kundenbedürfnisse auszurichten. Das Projekt läuft nach Plan und soll bis zum Jahresende 2013 insgesamt zu Kosteneinsparungen von 60 Mio EUR führen. Die hierfür erforderlichen zusätzlichen Investitionen in Technologie zum Zweck der Implementierung neuer Fähigkeiten (z.B. Workflow-Lösungen) und Prozessstandardisierung sind mit 40 Mio EUR geplant.
  • Die Erhöhung der Effizienz und die Verbesserung des Kundenservices war auch das wichtigste Ziel unserer internen Umstrukturierungen im Jahr 2010. Die gesamte Ablauforganisation wurde neu strukturiert, um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden, Verantwortung besser zuordnen zu können und um eine schnellere Entscheidungsfindung zu ermöglichen. Dies führte zu einer verringerten Verwaltungstätigkeit und hiermit geringeren Gemeinkosten.

Änderungen im Vorstand - Erfahrenes Führungsteam

Im Lauf des Jahres 2010 wurden vier neue Vorstandsmitglieder bestellt. Mit diesen verfügt die Bank nun über ein erfahrenes Führungsteam, mit welchem die Bank in der Lage ist, zukünftige Möglichkeiten am Markt zu erkennen und umzusetzen.

Sanjay Sharma wurde am 1. Jänner 2010 in den Vorstand der BAWAG P.S.K. bestellt. Davor war er als Managing Director der Bank für den Bereich Abwicklung verantwortlich. Christoph Raninger nahm seine Tätigkeit im Mai 2010 auf. Er war zuvor für die UniCredit Gruppe tätig. In der BAWAG P.S.K. umfasst sein Aufgabengebiet das österreichische Kommerzgeschäft und den Bereich Financial Markets. Andreas Arndt war viele Jahre in führenden Positionen in der Deutsche Bank Gruppe tätig, bevor er im Oktober 2010 zum Chief Financial Officer der BAWAG P.S.K. ernannt wurde. Wolfang Klein übernahm im November 2010 die Verantwortung für den Bereich Privat- und Geschäftskunden. Er kann auf langjährige Management-Erfahrung in der Deutschen Postbank AG zurückgreifen. Ich freue mich sehr darauf, mit diesem Team in den nächsten Jahren zu arbeiten.

Ich möchte diese Gelegenheit auch nutzen, um Regina Prehofer und Carsten Samusch, die beide die Bank im Jahr 2010 verlassen haben, für ihr Engagement und ihre Beiträge zum Erfolg der Bank zu danken. Ich wünsche beiden das Beste für ihre zukünftige Karriere.

Ausblick

Das Jahr 2011 wird aus makroökonomischer Sicht weiterhin schwierig sein. Wir erwarten zwar eine Verbesserung des wirtschaftlichen Umfeldes, allerdings nur schrittweise. Banken in ganz Europa werden weiterhin die Auswirkungen von externen Faktoren und neuen Vorschriften zu spüren bekommen und der Wettbewerb am Markt wird intensiv bleiben.

Dessen ungeachtet wird die BAWAG P.S.K. den positiven Impuls aus 2010 nutzen, um diese externen Schocks und den starken Wettbewerb am Markt erfolgreich zu bewältigen. Des Weiteren wird die Bank intensiv an der Umsetzung zahlreicher Initiativen und Projekte, wie der neuen Filialoffensive, arbeiten, um unser Kundenservice weiter zu verbessern.

Schließlich möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der BAWAG P.S.K. für ihre herausragenden Leistungen und ihr Engagement bei der Realisierung unserer Ziele und bei der Bewältigung der gestellten Herausforderungen und Veränderungen in 2010 zu danken. Im Jahr 2011 werden der tägliche Bankbetrieb sowie das Erfüllen der Bedürfnisse unserer Kunden wieder im Mittelpunkt stehen. Gemeinsam arbeiten wir auf unser Ziel hin: Die Verbesserung unseres Kundenservices und unserer Ertragskraft, um die Positionierung der Bank als starke österreichische Retail- und Kommerzbank zu festigen.

 

Byron Haynes

Byron Haynes
Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor
Wien, März 2011

 

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