Wirtschaftliche Entwicklung
Konjunktur
Das Jahr 2009 hat den Wendepunkt in der Finanz- und Immobilienkrise gebracht. Die umfangreichen, weltweiten Maßnahmen der Regierungen und der Zentralbanken fassten Fuß, die Nachfrage aus den asiatischen Volkswirtschaften half dem eingebrochenen Welthandel auf die Beine und das erschütterte Vertrauen der Unternehmen und Konsumenten konnte allmählich wieder hergestellt werden. Die Volkswirtschaften sämtlicher Industrieländer konnten im Frühsommer wieder expandieren.
Im Euroraum wich das moderate Minus von 0,1% im zweiten Quartal einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,4% gegenüber der Vorperiode im dritten Quartal 2009. Der Erholungsprozess wurde im Wesentlichen von der Wiederbelebung der globalen Nachfrage und der Umkehr im Lagerhaltungszyklus eingeleitet. Allerdings entwickelten sich nicht alle Länder der Eurozone gleich schnell. Während Deutschlands Wirtschaft aufgrund der starken Exportorientierung nach einer besonders tiefen Rezession relativ schnell wieder expandieren konnte, schrumpfte Spaniens Wirtschaft auch im Herbst noch, bedingt durch die besonders belastenden Auswirkungen der Immobilienkrise. Sämtliche Frühindikatoren für den Euroraum erreichten im Frühjahr 2009 ihren (meist historischen) Tiefpunkt und drehten danach nachhaltig nach oben.
Auch die österreichische Volkswirtschaft weitete ab der zweiten Jahreshälfte 2009 ihre Produktion wieder leicht aus. Dafür zeichnete nicht nur ein beträchtlicher Anstieg der Exportnachfrage verantwortlich sondern auch die Umkehr im Lagerhaltungszyklus, nachdem die Lager in der ersten Jahreshälfte nahezu leer gefegt worden waren. Davon profitiert insbesondere das verarbeitende Gewerbe: Auftragseingänge und Output sind seit der Jahresmitte wieder aufwärts gerichtet. In der Bauwirtschaft verläuft die Erholung eher zögerlich, allerdings war der vorherige Produktionseinbruch auch weniger drastisch als in der Sachgütererzeugung. Die privaten Konsumausgaben nahmen im dritten Quartal 2009 um 0,3% und damit weniger zu als die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Während der Rezession spielte der private Konsum im Gegensatz zum Euroraum insgesamt jedoch eine wesentliche, stabilisierende Rolle, da die Ausgaben zwar nur moderat, aber stetig expandierten und so ein tieferes Abrutschen der Wirtschaft verhinderten. Die Investitionstätigkeit belebte sich im dritten Quartal hingegen noch nicht. Da die Kapazitätsauslastung im Zuge der Krise kräftig gesunken ist, besteht kein unmittelbarer Bedarf für Neuinvestitionen.
Die Erholung der heimischen Konjunktur hat sich im Schlussquartal fortgesetzt. Im Vorjahresvergleich blieb die gesamtwirtschaftliche Leistung jedoch negativ. Für das Gesamtjahr 2009 errechnet sich ein Rückgang des realen Bruttoinlandsproduktes um rund 3,5%.
Obwohl sich die Arbeitsmarktsituation während der Rezession merklich verschlechterte, konnten die Konjunkturpakete, die Kurzarbeitsprogramme und die Jobmaßnahmen für Jugendliche den Beschäftigungsrückgang bremsen. Seit dem Spätsommer zeichnet sich sogar eine allmähliche Stabilisierung ab. Dennoch lag die saisonbereinigte Zahl der unselbständig Aktivbeschäftigten am Jahresende um mehr als 50.000 unter dem Rekordwert vom Sommer 2008. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote (in Prozent der unselbständigen Erwerbspersonen) saisonbereinigt um 1½ Prozentpunkte auf 7,3% zum Jahresende angestiegen.
Zinsen
Die Zinslandschaft wurde im vergangenen Jahr durch die intensiven Bemühungen der Geldpolitik geprägt, die Finanzmärkte mittels massiver Liquiditätszufuhr zu stabilisieren. Die Geldmarktsätze reagierten darauf in der ersten Jahreshälfte 2009 mit einer merklichen Abwärtsbewegung, die sich ab dem Herbst abflachte. Der 3-Monats-Euribor gab innerhalb eines Jahres um mehr als 200 Basispunkte nach. Seit der Jahresmitte liegt die Benchmark für den Geldmarkt sogar unter dem EZB-Leitzins von 1%. Die US-Notenbank Federal Reserve beließ das Zielband für den Leitzins das ganze Jahr hindurch auf dem Rekordtief von 0% bis 0,25%.
Euroraum: Leitzins und 3-Monats-Euribor
Wesentlich unspektakulärer entwickelten sich die Kapitalmarktsätze. Zum Jahresultimo 2009 notierte die Benchmark für zehnjährige Staatsanleihen im Euroraum bei 3,4%, um etwa ½ Prozentpunkt höher als zu Jahresbeginn. Die zehnjährigen US-Treasuries erholten sich in der ersten Jahreshälfte - nach einem kräftigen Einbruch in den Wintermonaten 2008/09 – und bewegten sich seit dem Sommer mehr oder weniger seitwärts. Zum Jahresende betrug die Rendite 3,8%. Nachdem die Geldmarktsätze im Jahresverlauf extrem nachgegeben hatten, wurde die Zinskurve sowohl im Euroraum als auch in den USA merklich steiler.
Wechselkurse
Der Euro konnte 2009 an Stärke gewinnen. Der nominell-effektive Wechselkursindex, der die Entwicklung gegenüber den Währungen der Haupthandelspartner misst, nahm innerhalb des vergangenen Jahres um 2,6% zu. Vor allem gegenüber dem Dollar wertete die Gemeinschaftswährung beträchtlich auf (+9%), aber auch gegenüber dem Yen (+7%). In der Euro-Dollar-Relation hat sich gegen Jahresende allerdings eine Trendwende vollzogen: Die Stimmung am Devisenmarkt drehte sich zugunsten des US-Dollars, der seither wieder spürbar an Wert gewinnt. Das britische Pfund machte 2009 einen Teil des im Schlussquartal 2008 erfolgten Wertverlustes wieder wett. Der Schweizer Franken hingegen stand das gesamte Jahr hindurch unter starkem Aufwertungsdruck, dem die Schweizerische Nationalbank mehrere Male mittels Interventionen entgegnete. Die Währungen der neuen EU-Länder konnten nach den massiven Wertverlusten im Jahr 2008 und im Frühjahr 2009 teilweise beträchtliche Kursgewinne verzeichnen.
Aktienmärkte
Sämtliche große Börsen verzeichneten ab dem Frühjahr 2009 einen fulminanten Aufstieg. Allerdings konnten die massiven Kursverluste des Vorjahres nur teilweise wett gemacht werden – zu rasch und zu tief waren die Indizes 2008 gefallen. So schloss der Euro Stoxx 50 Index zum Jahresultimo mit einem Plus von 21% im Vorjahresvergleich und der Dow Jones mit +18% (2008: jeweils –35%). Auch der ATX gewann wieder deutlich dazu (+40%) und die Unternehmen des US-Nasdaq 100 konnten ihren Börsenwert 2009 sogar verdoppeln. Die Entwicklung der Handelsplätze in den neuen EU-Ländern war äußerst heterogen: Der PX 50 (Prag) konnte ein Drittel seines Wertes wiedergewinnen, während der BUX (Budapest) gar ein Plus von über 70% verzeichnete. Unter den Verlierern war dagegen die slowakische Börse, deren Aktienindex auf das Niveau von vor über fünf Jahren zurück fiel.

