Wirtschaftliche Entwicklung

Konjunktur

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten sind in der zweiten Jahreshälfte 2008 einer veritablen globalen Krise gewichen. Ausgehend von Zahlungsausfällen auf dem US-Immobilienmarkt verbreitete sich die Krise schlagartig über die international eng vernetzten Finanzmärkte. Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft kamen mit einiger Verzögerung zu Tage. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten geriet bereits im Dezember 2007 in die Rezession, in den anderen Industrieländern realisierte sich der Konjunkturabschwung etwa zur Jahresmitte. Durch den markanten Rückgang der Importnachfrage in den Industrieländern übertrug sich die Rezession auch auf die Volkswirtschaften der Emerging Markets. Das bisher von Nettoexporten getragene Wirtschaftswachstum verlor zum Jahresende hin deutlich an Tempo.

Die wirtschaftliche Expansion des Euroraums hat sich 2008 auf 1,2 % abgekühlt, wobei das Wachstum vor allem von der Konjunktur im ersten Quartal getragen wurde. Die zu Jahresbeginn noch starke Inlandsnachfrage schwächte sich im weiteren Jahresverlauf kontinuierlich ab. Die Verschlechterung der Auftragslage veranlasste die Unternehmen ihre Investitionen stark zu reduzieren. Die Konsumenten waren bis zum Sommer hin mit einer rapiden Teuerung, vor allem durch Preisanstiege bei Energie und Nahrungsmitteln, konfrontiert. Im Zusammenhang mit den negativen Konjunkturaussichten ging die Ausgabebereitschaft der Verbraucher markant zurück. Die Abkühlung auf den Exportmärkten verlangsamte die Außenhandelsdynamik des Euroraumes im Jahresverlauf beträchtlich.

iTraxx Europe Index

Die Performance der österreichischen Wirtschaft lag 2008 nach wie vor über dem Durchschnitt der Eurozone. Die gesamtwirtschaftliche Produktion weitete sich um 1,9 % aus, die Kapazitätsauslastung lag jedoch unter dem Vorjahreswert. Der hohe Grad der Offenheit der heimischen Volkswirtschaft führte in der zweiten Jahreshälfte dazu, dass sich der weltweite Konjunkturabschwung über den Exportkanal auch in Österreich manifestierte. Vor allem die stark exportgetriebene Sachgütererzeugung musste Wachstumseinbußen in Kauf nehmen. Damit setzt sich der Abwärtstrend, der im Sommer 2007 begonnen hatte, nun in einem weitaus rascheren Tempo fort. Vor allem im letzten Jahresviertel verschlechterten sich laut Konjunkturtest des WIFO die Auftragslage sowie die Produktionserwartungen der Unternehmer in der Sachgütererzeugung rapide. Der Einzelhandel kam nicht an das Absatzniveau des Vorjahres heran. Ebenso ließ die Investitionsbereitschaft im zweiten Halbjahr empfindlich nach. Aufgrund der geringeren Auftragsbestände sank die Kapazitätsauslastung und damit auch der Bedarf an Investitionen.

Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich bis zum Sommer 2008 auf einen Rekordwert von 3,4 Millionen. Im Jahresdurchschnitt lag die Arbeitslosenquote mit 3,8 % deutlich unter dem Niveau von 2007. Im vierten Quartal begann die Arbeitslosigkeit jedoch zu steigen.

Der steile Anstieg des Ölpreises bis zum Hochsommer 2008 ließ den Verbraucherpreisindex rapide in die Höhe schnellen. Der anschließende Preisverfall ging noch rascher vor sich als der vorherige Anstieg: Die Teuerung reduzierte sich von 3,1 % im Oktober auf 1,3 % im Dezember. Im Jahresdurchschnitt errechnete sich eine Inflationsrate von 3,2 %. Anders als in der Eurozone erhöhte sich in Österreich auch die Kernrate der Inflation (Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel). Sie erreichte ihren Gipfel im Oktober mit 2,8 % und lag im Gesamtjahresdurchschnitt bei 2,4 %.

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Zinsen

Die kurz- und langfristigen Zinsen waren 2008 äußerst volatil. Mit außergewöhnlich hohen Risikospreads folgten die Geldmarktsätze den Bewegungen der Leitzinsen. Die Zuspitzung der Krise im Oktober und der einhergehende Vertrauensverlust ließen die kurzfristigen Zinsen im Euroraum um mehr als 100 Basispunkte über den EZB-Leitzins und in den USA sogar kurzfristig um mehr als 300 Basispunkte über die Fed Funds Target Rate ansteigen. Die Zentralbanken senkten daraufhin ihre Leitzinsen schrittweise. Zu Jahresende befand sich die Federal Reserve mit einem Zielband von 0 % – 0,25 % auf einem zuvor noch nicht erreichten Niveau. Ebenso überraschte die EZB mit einer Zinssenkung um erstmalig 75 Basispunkte auf 2,5 % im Dezember. Die Risikospreads verringerten sich daraufhin deutlich.

Nach einer leichten Aufwärtsbewegung tendierten die Kapitalmarktsätze ab der Jahresmitte abwärts. Im Zusammenspiel mit den negativen Konjunkturperspektiven waren die rückläufigen Inflationserwartungen dafür eine wesentliche Ursache. Zum Jahresultimo notierte die Benchmark für zehnjährige Staatsanleihen im Euroraum bei 2,95 % bzw. knapp 140 Punkte unter dem Vorjahreswert. Noch stärker fielen die Renditen in den USA: Zehnjährige US-Treasuries schlossen zum Jahresende mit 2,22 % bzw. um 180 Punkte unter dem Vorjahresultimo. Die Inversität der Zinskurve im Euroraum hielt beinahe das gesamte Jahr an und verstärkte sich während der Zuspitzung der Krise im Herbst. Im Dezember schließlich drehte sich die Zinskurve wieder.

Zinsentwicklung im Euroraum

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Wechselkurse

Der Euro hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Der nominell-effektive Wechselkursindex, der die Entwicklung gegenüber den Währungen der Haupthandelspartner misst, stieg bis in den Spätsommer hinein um 4 %, darauf folgte ein rapider Abfall. Durch die erneute Aufwertung im Dezember gewann der Euro per saldo minimal an Wert. Gegenüber den wichtigsten Währungen verlor die Gemeinschaftswährung allerdings an Wert: -6 % gegenüber dem US-Dollar, -24 % gegenüber dem Yen und -10 % gegenüber dem Schweizer Franken. Im Oktober werteten der US-Dollar und der Franken gegenüber dem Euro massiv auf. Der Schweizer Franken gewann innerhalb weniger Wochen mehr als 7 % an Wert gegenüber dem Euro. Die Zuspitzung der Finanzkrise erzeugte einen regelrechten „Run“ auf den „Safe Haven“. Die Kurzzeitigkeit eines solchen Trends spiegelt sich in der darauf folgenden schnellen Abwertung wider: Innerhalb nur eines Monats verlor der Franken wieder 5 %.

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Aktienmärkte

Die Krise auf den Immobilien- und Finanzmärkten mündete in einer ausgeprägten Korrektur auf sämtlichen großen Aktienmärkten. Die mit Abstand größten Kursverluste wurden im Oktober verzeichnet. Der Standard & Poor’s Index sowie der Euro Stoxx 50 Index verloren 2008 jeweils 35 % ihres Wertes (Verlust im Oktober: -17 % bzw. -15 %). Ebenso musste die Wiener Börse harte Abschläge verbuchen: Der ATX schloss im Vorjahresvergleich mit einem Minus von 60 %.

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Ausblick

Die Finanzkrise wirkt sich seit Herbst 2008 voll auf die Realwirtschaft aus, die Konjunktur bricht auf breiter Front ein. Über den Exportkanal greift der Abschwung auch auf die Schwellenländer über. Große Unsicherheiten prägen die Märkte: 2009 ist weltweit mit einem markanten Wachstumsrückgang zu rechnen. Wann die Talsohle tatsächlich durchschritten sein wird, ist aus heutiger Sicht nicht absehbar. Es sind jedoch auch zahlreiche positive Impulse sichtbar, die, wenn sie schließlich ihre volle Wirkung entfalten, dazu beitragen werden, die Rezession zu überwinden. Dazu zählen Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte ebenso wie die zahlreichen Konjunkturpakete sowie die expansive Geldpolitik der Zentralbanken. Die starken Zinssenkungen und die Bereitstellung zusätzlicher Liquidität trugen wesentlich zur Stabilisierung der Finanzmärkte bei. Die positiven Auswirkungen auf die Realwirtschaft werden mit einer Verzögerung von einigen Monaten zu Tage treten. Der rasche Rückgang der Teuerung stützt wiederum die Kaufkraft der privaten Haushalte. Die Inflationsrate dürfte kurzfristig sogar unter null fallen und sorgt so für einen Anstieg der verfügbaren Realeinkommen.

Österreich befindet sich im Sog der globalen Rezession. Der Nachfrageeinbruch der Haupthandelspartner trifft die heimische Industrie unmittelbar; vor allem die Zulieferer der Automobilindustrie und die Erzeuger von Investitionsgütern leiden unter der Krise. Die Nachfragedynamik aus dem Euroraum und anderen Industrieländern verlangsamte sich bereits im Jahresverlauf 2008 merklich, heuer werden zudem die Ausfuhren in den asiatischen Markt und in die osteuropäischen Nachbarländer nachlassen. In der Folge wird die Arbeitslosigkeit in Österreich merklich ansteigen. Im Gegensatz zu den meisten anderen EU-Staaten verlangsamt sich das – wenn auch moderate – Wachstumstempo der privaten Konsumausgaben heuer jedoch voraussichtlich nicht: Infolge der sinkenden Inflationsrate und der steuerlichen Entlastung profitieren die privaten Haushalte von einem beträchtlichen Anstieg der real verfügbaren Einkommen. Die Ausgabefreudigkeit der Österreicher ist allerdings sehr gering; ein Großteil des zusätzlichen Einkommens wird voraussichtlich gespart werden.

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