VORWORT
DES VORSTANDSVORSITZENDEN
Ein erfolgreicher Neubeginn
2007 war für die BAWAG P.S.K. ein bewegtes Jahr. Am 15. Mai 2007 wurde die Bank von einem Konsortium unter der Führung von Cerberus Capital Management L.P. übernommen. Der erfolgreiche Verkauf beendete ein schwieriges Kapitel in der Geschichte der Bank. Der Eigenkapitalzuschuss der neuen Eigentümer ersetzte die Haftung der Republik Österreich für die BAWAG P.S.K. Dadurch konnte die Bank aus der Krise geführt werden, in die sie im Jahr 2006 geraten war.
Die Anerkennung der Leistungen der Mitarbeiter steht oft erst am Ende des Vorwortes. In diesem Fall möchte ich aber schon zu Beginn auf die besondere Rolle hinweisen, die die Kolleginnen und Kollegen der BAWAG P.S.K. im abgelaufenen Jahr gespielt haben. Denn, schlicht gesagt, haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen wesentlichen Beitrag zur Wiedergewinnung des Kundenvertrauens und zur Rettung der Bank geleistet. Dass die BAWAG P.S.K. heute so gut dasteht, ist wesentlich auf deren Einsatz und Können zurückzuführen. Die BAWAG P.S.K. schuldet ihnen Dank für ihr Engagement und ihre harte Arbeit. Im Namen des Vorstandes möchte ich daher allen Kolleginnen und Kollegen für ihre Unterstützung in den letzten zwölf Monaten danken.
An dieser Stelle möchte ich auch die Beiträge aller anderen Personen erwähnen, die an der Rettung der Bank beteiligt waren, darunter insbesondere den neuen Vorstand und seinen ehemaligen Vorsitzenden Ewald Nowotny, unter dessen kundiger Leitung die BAWAG P.S.K. stürmische Zeiten überwinden konnte. Dass in diesen Zeiten nicht ein einziger Euro öffentlicher Gelder verloren ging, ist ein Beweis für das hohe Können und die Professionalität aller Beteiligten. Auch die Rolle unserer Kunden möchte ich hier besonders hervorheben. Ihre Treue und ihre Beständig- keit waren die eigentliche Rettung der Bank.
Der Abschluss der Verkaufsverhandlungen stellte zweifellos einen Wendepunkt dar. Dennoch war der weitere Jahres- verlauf durch sehr viel Arbeit geprägt, um wieder an Dynamik zu gewinnen und im Wettbewerb zu bestehen. Ich freue mich feststellen zu können, dass die „neue“ BAWAG P.S.K. zum Jahresende 2007 eine starke Position erreicht hat.
Ein erfolgreicher Neubeginn – wachsendes Kundenvertrauen
Unsere Kunden haben nach dem Eigentümerwechsel am 15. Mai 2007 deutlich gezeigt, dass ihr Vertrauen in die BAWAG P.S.K. ungebrochen ist. Dies beweist die Entwicklung in allen Bereichen des Kundengeschäfts:
- Zunahme der Spareinlagen im Jahr 2007 um 120 Millionen Euro
- 94.300 neue Privatgirokonten bei BAWAG P.S.K. und easybank
- Verkauf von Wohnbaubank-Anleihen im Wert von mehr als 500 Millionen Euro
- Verkauf von mehr als 10.000 TopCards innerhalb von sechs Monaten
- 5.700 neue Kundenkonten im KMU-Segment
Alle Zahlen aus dem Privatkundengeschäft im Aufwärtstrend: Das zeigt deutlich, dass die neue Positionierung und der Marken-Relaunch erfolgreich verlaufen sind. Maßnahmen wie die längeren Schalterzeiten in ausgewählten BAWAG-Zweigstellen und neue, attraktive Produkte, wie das Fußballsparbuch und das Anlageduett, wurden von unseren Kunden gut angenommen.
Bereinigter Konzernjahresüberschuss von 147 Millionen Euro
Der bereinigte Konzernjahresüberschuss nach IFRS von 147 Millionen Euro stellt eine deutliche Verbesserung gegenüber 2006 dar und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Das Konzernjahresergebnis für 2007 wurde durch die auslaufende Staatshaftung sowie durch den Gesellschafterzuschuss vor dem Hintergrund der Abschreibungen für notleidende Kredite wesentlich geprägt. Nach IFRS schlägt sich der einmalige Effekt der Wertberichtigung über 600 Millionen Euro in der Gewinn- und Verlustrechnung nieder, die gleichzeitige Kapitalzufuhr in derselben Höhe jedoch nicht. Der ausgewiesene Jahresfehlbetrag von 452 Millionen Euro besteht daher aus zwei Elementen: Einem „regulären“ Jahresüberschuss von 147 Millionen Euro („bereinigter Konzernjahresüberschuss“) sowie einmaligen Wertberichtigungen von 600 Millionen Euro für alte Problem- kredite im Zusammenhang mit der Aufhebung der Staatshaftung.
Der Nettozinsertrag blieb trotz eines Rückgangs der zinstragenden Aktiva um 16 Prozent unverändert. Dies zeigt, wie es uns durch aktives Portefeuille-Management gelungen ist, unsere Margen und risikobereinigten Kapitalerträge zu verbessern.
In den Geschäftsfeldern Retail und KMU stiegen die Erträge um 3,8 bzw. 3,5 Prozent, während die Erträge im Großkundengeschäft aufgrund der 2006 und 2007 getroffenen Maßnahmen zur Reduktion von ertragsschwachen Engagements um 15,3 Prozent zurückgingen.
Auch in einem Jahr großer Umwälzungen stiegen die Kosten 2007 um lediglich 2 Prozent. Die Cost-Income-Ratio war mit 87,7 Prozent aber nach wie vor zu hoch. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Bank zu erhalten, muss diese Quote deutlich verbessert werden.
Im Ergebnis des Jahres 2007 schlägt sich die umfassende Restrukturierung unserer Veranlagungen nieder, die auch 2008 fortgeführt werden soll. Das Ergebnis wurde von zahlreichen Einmalerträgen bzw. -kosten beeinflusst, die aus dem Verkauf von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Geschäftsfeldern sowie aus der Neuausrichtung der Veran- lagungsstrategie resultieren. Der Nettogewinn aus Verkäufen betrug 287 Millionen Euro, die Überprüfung der Werthaltigkeit der Vermögensgegenstände hat zu Aufwendungen in Höhe von 378 Millionen Euro geführt.
Starke Liquiditäts- und Kapitalbasis
Zum Jahresende 2007 hatte die „neue“ BAWAG P.S.K. eine starke Finanzposition inne. Die Kombination aus nicht ausgeschütteten Gewinnen, verkauften Vermögensbestandteilen, Wertberichtigungen für Problemkredite und des Gesellschafterzuschusses in Höhe von 600 Millionen Euro bewirkte, dass die Tier I-Eigenmittelquote des Konzerns auf 8,5 Prozent stieg (2006: 7,6 Prozent, bereinigt um jene 450 Millionen Euro Kapitalunterstützung österreichi- scher Banken und Versicherungen, die als Minderheitsbeteiligung in der Bilanz 2006 ausgewiesen war und nach dem erfolgreichen Verkauf der Bank rückgeführt wurde). Eine sorgfältige Liquiditätssteuerung während des gesamten Jahres resultierte in einem Liquiditätsüberschuss von mehr als 4 Milliarden Euro. Die starke Kapital- und Liquiditätsposition versetzt die BAWAG P.S.K. in die Lage, Geschäftsmöglichkeiten zu nutzen, die sich in den nächsten Monaten bieten werden.
Der Rückgang der Forderungen gegenüber Kunden um 3,40 Milliarden Euro oder 13,6 Prozent auf 21,63 Milliar- den Euro spiegelt die Tilgung von Darlehen an den öffentlichen Sektor und zwei Einmaleffekte wider: die Rück- zahlung von Verbindlichkeiten der früheren Eigentümer und Wertberichtigungen von 600 Millionen Euro für Kredite aufgrund des Wegfalls der Bundeshaftung nach erfolgtem Eigentümerwechsel. Das Geschäft mit Privatkunden sowie mit Klein- und Mittelbetrieben entwickelte sich erfreulich.
Die Kundeneinlagen stiegen im Verlauf des Jahres 2007 auf 23,3 Milliarden Euro. Der Zuwachs der Spareinlagen um 120 Millionen Euro spiegelte den Erfolg neuer Produkte sowie das zunehmende Kundenvertrauen wider.
Wertberichtigungen auf das Kreditportfolio
In Folge des Eigentümerwechsels wurde das Kreditportfolio eingehend analysiert. Aufgrund von Marktwertver- änderungen ergaben sich in bestimmten Veranlagungskategorien Belastungen in Höhe von 378 Millionen Euro. Vom gesamten Wertpapier-Portefeuille in Höhe von 10,8 Milliarden Euro entfallen auf CDO/ABS-Wertpapiere insgesamt 3,3 Milliarden Euro. Davon haben derzeit 99,5 Prozent Investment-Grade-Qualität: 43 Prozent AAA, 48 Prozent AA, 7 Prozent A, 1,7 Prozent BBB. Nur die restlichen 0,5 Prozent haben ein schlechteres Rating. Nach regionalen Gesichtspunkten gestaltet sich das Portefeuille folgendermaßen: 50 Prozent Europa inklusive Großbritannien, 49 Prozent USA und 1 Prozent sonstige Regionen. 71 Prozent des Portefeuilles unterliegen „Fair Value“-Bewertungskriterien.
Die Bank ist durch keinerlei Risiken belastet, die im direkten Zusammenhang mit US-amerikanischen Subprime- Hypotheken stehen, wenngleich bestimmte Wertpapiere im CDO/ABS-Portefeuille solche Anlagen enthalten. Das gesamte indirekte Risiko des CDO/ABS-Portfeuilles im Zusammenhang mit der amerikanischen Subprime-Hypotheken- krise ist mit 216 Millionen Euro zu beziffern, wobei 84 Prozent auf Käufe im Jahr 2005 und davor zurückgehen. Die tatsächlichen Verluste im Jahr 2007 für Wertpapiere mit Subprime-Anteilen beliefen sich auf 34 Millionen Euro.
Die BAWAG P.S.K. verfolgt die Veränderungen von Marktpreisen überall dort, wo ein solcher Markt existiert, und vergleicht diese mit separat durchgeführten Analysen der Fundamentalwerte, basierend auf prognostizierten Cash Flows und der zugrunde liegenden Kreditwürdigkeit. Die Bank hat keinerlei Risiken im Zusammenhang mit Zweck- gesellschaften (Structured Investment Vehicles, „SIVs“) oder „Conduits“ zu tragen, besitzt keine solchen Papiere und hat keine offenen Kredite oder Standby-Verpflichtungen für solche Instrumente.
Neue Strategie in Umsetzung – 500 Millionen Euro Gewinnziel bis zum Jahr 2012
Nach dem Eigentümerwechsel wurde eine neue Strategie ausgearbeitet, welche die Basis für die kommenden Jahre darstellt und deren Umsetzung bereits begonnen wurde. Ziel dieser neuen Strategie ist die deutliche Verbesserung der Ertragskraft der BAWAG P.S.K.: Innerhalb von fünf Jahren soll ein Jahresüberschuss von 500 Millionen Euro erzielt werden – eine Benchmark, die zeigt, wo wir uns zukünftig am Markt positionieren werden.
Die neue Strategie besteht aus drei Kernkomponenten:
- Stärkere Ertragskraft und höhere Erlöse aus dem heimischen Kerngeschäft
- Erschließung neuer Geschäftsfelder außerhalb Österreichs
- Nutzung der Kapital- und Liquiditätsstärke der Bank für potenzielle Akquisitionen, die das Wachstum der Bank stärken, insbesondere im Privatkundengeschäft
250 Millionen Euro werden in die Neuausrichtung des österreichischen Retail-, Firmenkunden- und Großkunden- Geschäfts investiert. Zentraler Punkt ist dabei die Kombination aus hervorragendem Service und zielgerichteter Produktentwicklung zur Steigerung des Kundennutzens. Investitionen in Marketing, die Optimierung von Geschäfts- prozessen, ein verbessertes Risikomanagement, die Weiterbildung der Vertriebsteams sowie Produktinnovationen sollen die Produktivität wesentlich steigern. Dies wird von einem straffen Kostenmanagement begleitet.
Die Bank wird eine Reihe neuer Geschäftsaktivitäten in spezifischen, rasch wachsenden Marktsegmenten aufbauen. Ziel ist es, in diesen Geschäftsfeldern die Marktführerschaft zu erlangen, indem die BAWAG P.S.K. ihre Stärken zum Einsatz bringt und hohe Kompetenz entwickelt.
Im Mittelpunkt unserer neuen Strategie steht aber unser erklärter Wille, in unsere Mitarbeiter zu investieren. Die BAWAG P.S.K. kann sich glücklich schätzen, auf eine derart gut ausgebildete, zielstrebige und einsatzfreudige Belegschaft zählen zu können. Wir möchten die Bank modernisieren und dabei ein attraktiver Arbeitsplatz für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben. Wir werden in neue Systeme, in die Weiterbildung und leistungs- anreizbezogene Gehaltsstrukturen investieren, um unsere Mitarbeiter dabei zu unterstützen, unsere Kunden mit exzellentem Service zu bedienen und für unsere Aktionäre zufriedenstellende Gewinne zu erwirtschaften.
Veränderungen im Vorstand
2007 und in den ersten Monaten des Jahres 2008 erfolgten im Vorstand einige Änderungen. Ich möchte die Gelegenheit ergreifen, an dieser Stelle den ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern Ewald Nowotny, Herbert Legradi und Bardo Akay zu danken. Wir wünschen ihnen viel Glück auf ihrem weiteren Berufsweg. Sie alle haben ent- scheidend zur Entwicklung der Bank in den letzten Jahren beigetragen und wir schulden ihnen dafür unseren Dank.
Ausblick
Die BAWAG P.S.K. geht aus einer Position der Stärke in das Jahr 2008: zunehmendes Kundenvertrauen, eine starke Kapital- und Liquiditätsdecke, ertragreiche Geschäftsfelder. Für die Steigerung der Produktivität der Bank ist ein hohes Potenzial vorhanden und es ist von besonderer Bedeutung, bei der Umsetzung der erforderlichen Veränderungen rasch Erfolge zu erzielen.
Keine Bank bleibt von den aktuellen weltweiten Turbulenzen auf den Finanzmärkten unberührt. 2008 wird ganz sicher eine große Herausforderung werden. Die Abkühlung der US-amerikanischen Konjunktur und die Schwäche des US-Dollars werden nicht ohne Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft bleiben, während die fortdauern- den Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die daraus resultierende Volatilität für die Finanzwelt eine große Herausforderung darstellen.
Die Finanzkraft des Konzerns und die aktuelle Ertragsdynamik macht mich zuversichtlich, dass die BAWAG P.S.K. in den kommenden Monaten weiterhin erfolgreich sein wird.
David Roberts
Vorsitzender es Vorstands und CEO
Wien, im April 2008
