Vorwort
zum Geschäftsbericht 2006
2006 war ein sehr bewegtes Jahr für die BAWAG P.S.K., das nachhaltige Änderungen in der Bank selbst und in der Eigentümerstruktur gebracht hat.
Ausgelöst wurden die Schwierigkeiten durch die Aufdeckung von Verlusten, die die alte BAWAG aus so genannten „Karibikgeschäften“ in der Zeit zwischen 1995 und 2000 erlitten hat, und durch nachfolgende Klagen von Gläubigern des in Konkurs befindlichen US-amerikanischen Brokerhauses Refco. In der Folge kam es zu einem Vertrauensverlust und zu deutlich spürbaren Abflüssen von Kundengeldern sowie kurzfristig zu Einschränkungen auf internationalen Geld- und Kapitalmärkten.
Bereits unmittelbar nach der Veröffentlichung der Verluste aus der Vergangenheit wurde im April der Aufsichtsrat der BAWAG P.S.K. völlig neu besetzt und vier Vorstandsmitglieder mussten die Bank verlassen. Die neue Führung der Bank hat freiwillig die Regeln des Corporate Governance Kodex übernommen und die Risikopolitik und Risikosteuerung grundlegend erneuert sowie einen zentralen Risikovorstand installiert.
Mit Hilfe der Republik Österreich, die Anfang Mai 2006 die Übernahme einer Bundeshaftung zu Stabilisierung der BAWAG P.S.K. beschlossen hat, sowie dank der Unterstützung der österreichischen Finanzwirtschaft, die unter Federführung der Oesterreichischen Nationalbank der BAWAG P.S.K. Besserungskapital zur Verfügung gestellt hat, konnte die Situation wesentlich beruhigt werden. Ein weiterer entscheidender Schritt zur Zukunftssicherung der BAWAG P.S.K. bestand im erfolgreichen Abschluss eines Globalvergleiches mit den Gläubigern im Refco-Konkursverfahren, der im Juni abgeschlossen und im September 2006 rechtswirksam wurde.
Im Zuge dieser Ereignisse hat der Österreichische Gewerkschaftsbund beschlossen, die BAWAG P.S.K. vollständig zu verkaufen. Der Verkaufsprozess wurde im 2. Quartal begonnen und stieß auf großes Interesse. Der intensive Bietwettbewerb, an dem sich viele international renommierte Institute beteiligt haben, konnte am 30. Dezember 2006 mit der Unterzeichung des Kaufvertrages erfolgreich abgeschlossen werden.
Den Zuschlag erhielt ein Konsortium um den US-amerikanischen Finanzinvestor Cerberus, in dem die österreichische Generali-Versicherung, die Bausparkasse Wüstenrot sowie eine österreichische Investorengruppe vertreten sind. Mit der Österreichischen Post wurden weitere Gespräche über eine mögliche Beteiligung an der BAWAG P.S.K. vereinbart.
Mit dieser finanz- und kapitalkräftigen neuen Eigentümergruppe ist für die BAWAG P.S.K. eine hervorragende Basis für eine erfolgreiche weitere Entwicklung geschaffen. Durch die Einbindung von strategischen Partnern in die Eigentümerstruktur ergeben sich viele attraktive Kooperationsmöglichkeiten, die im Laufe des Jahres 2007 analysiert und ausgearbeitet werden.
Die BAWAG P.S.K. selbst ist nach der erfolgreichen Bewältigung des schwierigen Jahres 2006 inzwischen auf den Erfolgsweg zurückgekehrt. Bereits zu Beginn des Jahres 2007 wurden mit neuen Marktoffensiven Akzente gesetzt. Die BAWAG P.S.K. wird, aufbauend auf ihren Stärken und Erfahrungen und in Zusammenarbeit mit den neuen Eigentümern, ihre Stellung als kompetenter Finanzdienstleister in Zentraleuropa weiter ausbauen. Eine wichtige Basis dafür konnte im Verlauf des letzten Jahres geschaffen werden. Durch den erfolgreichen Abschluss der Implementierung des neuen IT-Systems Allegro verfügt die BAWAG P.S.K. über das modernste Kernbank-EDV-System Österreichs. Alle BAWAG- und Postfilialen sind nun mit einem einheitlichen System direkt vernetzt, wodurch das größte zentral gesteuerte Bankenvertriebsnetz Österreichs noch effizienter und besser genutzt werden kann.
Ich danke allen Kundinnen und Kunden für ihr Vertrauen, das sie uns im abgelaufenen Jahr entgegengebracht haben. Auch allen Partnern, die ihren Beitrag zur Stärkung und Stabilisierung der Bank geleistet haben, möchte ich hier ausdrücklich danken. Und nicht zuletzt darf ich mich auch bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der BAWAG P.S.K. Gruppe bedanken, die im außergewöhnlichen Jahr 2006 unter sehr schwierigen Bedingungen mit viel Engagement hervorragende Leistungen erbracht haben.
Wir werden weiter intensiv daran arbeiten, das in uns gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen und bleiben die attraktive Bank für alle Österreicherinnen und Österreicher und ein verlässlicher Partner.

Generaldirektor Dr. Ewald Nowotny
Vorsitzender des Vorstandes
